| Haldenstein ist wohl eine der burgenreichsten Gemeinden Graubündens. Auf seinem Territorium stehen nämlich nicht weniger als drei Burgen: | ||
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Lichtenstein, erbaut im 12. Jahrhundert auf einem Felsrücken nördlich des Dorfes, war um 1400 noch bewohnt und wurde wohl im 15. Jahrhundert aufgegeben. Sie war Sitz der Herren von Lichtenstein und gelangte nach deren Aussterben Ende des 13. Jahrhunderts in den Besitz der Herren von Haldenstein.
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Haldenstein, auf einem "haldenden" Felskopf oberhalb des Dorfes gelegen, entstand Mitte des 12. Jahrhunderts, war 1695 noch bewohnt und wurde 1769 und 1787 durch Erdbeben teilweise zerstört. Sie war Stammburg des gleichnamigen Geschlechts und Zentrum des herrschaftlichen Güterkomplexes. 1299 sind Streitigkeiten zwischen dem Bistum Chur und Freiherr Johann von Vaz wegen unerlaubtem Ausbau der Burg bezeugt. | |
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| Grottenstein ist eine Höhlenburg unbestimmten Alters am Fusse einer Felswand des Calanda. | ||
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| Am Südrand des Dorfes befindet sich das Schloss
Haldenstein, das im frühen 16. Jahrhundert an Stelle eines älteren
Steinhauses errichtet und 1544-48 durch Johann Jacob von Castion
erweitert und prunkvoll ausgestattet wurde, u.a. mit einem reichen
Täfer, das in den 1880er Jahren ins Ausland verkauft worden ist und
heute im Schloss Köpenick bei Berlin bewundert werden kann. 1703 gelangte das Schloss in den Besitz der Familie von Salis. 1731 wurde es durch Gubert von Salis um ein Geschoss aufgehöht, 1732 aber durch einen Brand weitgehend zerstört und 1732/33 wieder instandgestellt. Von 1763-1771 war im Nordteil des Schlosses ein bedeutendes Seminar mit zeitweise bis zu 100 Schülern untergebracht, das später ins Schloss Marschlins bei Igis verlegt wurde. 1832 ging die Anlage an die Familie Salis-Soglio über, die es um 1900 umbauen liess. 1922 gelangte sie in den Besitz der Familie Batänjer und ist seit 1966 Eigentum einer Stiftung. 1986-1999 wurde das Schloss restauriert; heute dient es als Sitz der Gemeindeverwaltung Haldenstein und des Archäologischen Dienstes Graubünden. Seine Räumlichkeiten werden von der Stiftung für die verschiedensten Anlässe mietweise zur Verfügung gestellt. |
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| Literatur: | Georg Lütscher: Geschichte der Freiherrschaft und Gemeinde Haldenstein. Überarbeitet und ergänzt von Silvio Margadant. Haldenstein 1995. |
| Otto P. Clavadetscher / Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich 1984.S. 297-302. | |
| Arthur Gredig / Augustin Carigiet: Schloss Haldenstein. In: Archäologie in Graubünden. Funde und Befunde. Chur 1992. S. 395-418. | |
| Daniel Grütter, Burgen der Schweiz. | |
| Funde
auf dem Hexabödeli nördlich der Burg Lichtenstein, beim Schloss
Haldenstein und auf dem "Stein" deuten auf prähistorische,
römische und frühmittelalterliche Besiedlung hin. Das Gebiet von
Haldenstein gehörte im Hochmittelalter zum Königshof Chur. Zusammen
mit diesem schenkte Kaiser Otto I. 960 auch den Oldiswald bei
Haldenstein dem Bischof Hartpert von Chur, und 1050 übertrug Heinrich
III. das gesamte Forstgebiet von Haldenstein dem Bischof. Damit gehörte
Haldenstein zum bischöfl. Immunitätsbereich.
1180-1282 sind die freien Ritter von Lichtenstein überliefert, wohl als Inhaber des bischöflichen Lehens Haldenstein. Dieses ging nach deren Aussterben an die Ritter von Haldenstein über, welche 1260 erstmals genannt werden und Ende des 14. Jahrhunderts im Mannesstamm ausstarben. 1402 wurde die Herrschaft durch Anna v. Haldenstein an ihren zweiten Gemahl Christoph v. Hertnegg übertragen, welcher sie 1404 an die Miterben Hans und Walter v. Hallwyl und Peter v. Griffensee verlor. Im Streit mit den Erben ging das Bistum seiner Rechte endgültig verlustig, mit Ausnahme des Oldiswaldes, der bis heute dem Bistum gehört. Haldenstein gelangte um 1460 an Heinrich Ammann v. Grüningen, der sich 1499 als Hauptmann im Schwabenkrieg auszeichnete. Nach seinem Tod ging Haldenstein an die Herren v. Marmels über. Durch seine Heirat mit Hilaria v. Marmels trat Johann Jacob de Castion, französischer Gesandter bei den Drei Bünden, den Besitz der Herrschaft an. Er baute die grosszügige Schlossanlage am südlichen Dorfrand (siehe Burg-Schloss). 1567 erwarb Gregor Carl v. Hohenbalken Haldenstein, das später an Heinrich v. Tägerstein und 1608, gegen den Widerstand der Untertanen, für 3000 Kronen käuflich an den wohlhabenden und einflussreichen Thomas v. Schauenstein überging. Dieser wurde 1611 in den Freiherrenstand erhoben und erlangte 1612 vom Kaiser das Münz-, Markt- und Asylrecht sowie eine Wappenvermehrung. Vom Münzrecht machten die Freiherren von Haldenstein bis ins 18. Jahrhundert regen Gebrauch, wobei die Prägungen zeitweise einen schlechten Ruf genossen. Die Münzstätte befand sich im Osttrakt des Schlosses. Durch Erbschaft ging Haldenstein 1701 an die Familie Salis-Maienfeld über, welche die Herrschaft bis 1803 innehatte. Unter Johann Luzi von Salis wurde 1701 die Leibeigenschaft der Bewohner aufgehoben. Die Freiherrschaft Haldenstein gehörte nie zum altbündenerischen Bündnissystem, war aber seit 1558 durch einen Schutzvertrag mit dem Dreibündestaat verbunden. Mit der Mediationsverfassung von 1803 wurde Haldenstein als selbständige politische Gemeinde des Hochgerichts Vier Dörfer dem Kanton Graubünden einverleibt und bildet seit 1851 einen Teil des Kreises Fünf Dörfer und des Bezirks Unterlandquart. Ursprünglich war Haldenstein romanischsprachig; die Germanisierung setzte erst im 14. Jahrhundert ein. Das Dorf wird 1149 unter dem Namen "Lanze" erstmals erwähnt und hiess um 1370 "Lentz inferior" (romanisch Lantsch sut); seit dem Ende des 14. Jahrhunderts hat sich der deutsche Name Haldenstein eingebürgert, abgeleitet von der über dem Dorf thronenden Burg gleichen Namens. Kirchlich gehörte Haldenstein seit 1436 zum Kloster St. Luzi in Chur. Die dem heiligen Gereon (Jörion) geweihte Kirche wird Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt. 1732 wurde sie niedergelegt und durch einen Neubau ersetzt. Es ist dies die einzige Gereonskirche der Diözese Chur. Die Reformation wurde um 1616 vom Freiherrn Thomas v. Schauenstein eingeführt. Heute (2000) zählt die Gemeinde 504 (60%) Reformierte, 238 (29%) Katholiken und 90 (11%) andere. Haldenstein hat im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Dorfbrände erlebt. Der verheerendste ereignete sich 1825, wobei das Dorf fast vollständig abbrannte. 1943 ist es anlässlich eines riesigen Waldbrandes am Calanda erneut knapp einer Katastrophe entgangen. Heute besitzt das linksrheinische Haufendorf am Fuss des Calanda ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. 1971 ging eine Rüfe bis ins Dorf nieder. Nach der grossen Überschwemmung von 1868 erfolgte die Bewuhrung des Rheins, die dem Dorf bedeutenden Kulturlandgewinn brachte. Die gedeckte Holzbrücke über den Rhein ist 1971/72 durch die heutige Betonbrücke ersetzt worden. Seit 1896 besteht die Bahnstation Haldenstein der RhB auf Churer Gebiet. In den 1980er Jahren wurde in Oldis ein Ölkavernenspeicher geplant, der aber aus geologischen und politischen Gründen nicht realisiert worden ist. Haldenstein zählt heute 7 landwirtschaftliche Betriebe und 3 Alpen: Altsäss und Neusäss auf dem Calanda und seit 1944 die Alp Tschuggen im Schanfigg. Mehrere Gewerbebetriebe und ein Kieswerk befinden sich auf seinem Gemeindegebiet. Bevölkerung: 1803 = 349 Einwohner, 1835 = 564, 1970 = 478, 2000 = 832. 15% der Erwerbstätigen arbeiten im 1. Sektor, 46,5% im 2. und 38,5% im 3. Sektor. Von den 357 in der Gemeinde wohnhaften Erwerbstätigen arbeiteten 1990 272 Personen (76%) auswärts, während von den 264 in Haldenstein arbeitenden Personen 184 (70%) in einer andern Gemeinde wohnten. Trotz der Nähe zur Stadt Chur erlebte die Gemeinde eine massvolle bauliche Entwicklung. Am Calandahang auf 1400 m ü. M. liegt die Siedlung Batänja, früher Sewils genannt, die 1424 von Peter v. Griffensee den Gebrüdern Hans, Dietrich und Jos Batänier walserischer Abstammung verliehen worden war. Sie war bis 1868 ständig bewohnt und besass ein eigenes Schulhaus. Heute bilden die Grundeigentümer eine Korporation. Literatur: Georg Lütscher: Geschichte der Freiherrschaft und Gemeinde Haldenstein.Überarbeitet und ergänzt von Silvio Margadant. Haldenstein 1995. |